Pewsumer Schatthaus
Historie
Schatthaus- Schgatthuus- Schatzhaus wäre die korrekte Übersetzung und weist schon auf seine historische Bedeutung hin:
Schatzhäuser befanden sich immer in unmittelbarer Nähe einer Häuptlingsburg und waren der wirtschaftliche Schatz der Burgherren und Herrinnen, beherbergten sie doch das Vieh und das Korn.
So war es auch mit unserem Schatthaus, es stand ursprünglich in Pewsum vor der mächtigen Manningaburg, von der heute noch ein Restbau erhalten ist und vom Heimatverein betreut wird.
Im Jahr 1828, die Häuptlingsherrlichkeit war schon lange vorbei, Ostfriesland gehörte zum Königreich Hannover, ließ der damalige König Georg das Schatzhaus aussiedeln und am heutigen Standort als Gulfhof neu errichten.
Das einzige Relikt, das vom alten Schatthaus wieder ins neue Schatthaus eingebaut wurde, ist der Löwenkopf mit dem Nasenring über dem vorderen Scheunentor.
Nach Ende des Königreichs Hannover kam Ostfriesland zu Preußen und Schatthaus wurde kaiserlich. Als die Zeit vorbei war, wurde Schatthaus eine Staatsdomäne und die jeweiligen Bewirtschafter Domänenpächter. Aber auch das änderte sich, unter der heutigen Regierung Niedersachsens konnte die Domäne von uns erworben werden und befindet sich jetzt in unserem Privatbesitz. Die Milchviehhaltung wurde bereits Anfang der siebziger Jahre bei der Übergabe von meinem Großvater an meinem Vater aufgegeben und Schatthaus wurde ein reiner Ackerbaubetrieb.
Heute
Im Jahr 2011 durfte ich den Betrieb meines Vaters übernehmen und zusammen mit meinem Mann und unseren drei Kindern zogen wir in mein Elternhaus zurück. Der landwirtschaftliche Betrieb umfasst 180 ha. Die fruchtbaren Marschböden ermöglichen uns eine weite Fruchtfolge mit Weizen, Gerste, Raps, Mais, Ackerbohnen, Zuckerrüben und Kartoffeln. Unsere Schatthauser Kleikartoffeln vermarkten wir in unserem Hofladen. Zusätzlich bieten wir weitere regionale Produkte wie Käse, Joghurt, Gemüse, Eis, Marmelade, Honig, verschiedene Öle und Eier an.
Ein weiteres wichtiges Standbein auf unserem Betrieb sind die erneuerbaren Energien. Während mein Mann als Maschinenbau Ingenieur bei der Firma Enercon an der Entwicklung moderner Windenergieanlagen arbeitet, beteiligte sich mein Vater bereits in den Neunzigern an einem Windpark, den wir über die letzten 20 Jahre immer weiter entwickeln durften.
Architektur ostfriesischer Gulfhöfe
Als Gulf bezeichnen wir den Bergeraum für Heu und Stroh in der Scheune. Es ist das Carree zwischen vier Ständern des Stapelwerks in der Scheune. Unser Schatthaus hat fünf Gulfe, schon ein relativ großer Hof, die Tenne oder Diele ist die Durchfahrt.
Die Scheune mit ihrem Stapel- und Ständerwerk ist wie eine freitragende Halle, d.h. Mauern von Kuh- und Pferdestall können problemlos entfernt werden, da sie keine tragende Funktion haben. Das mächtige Dach wird allein vom Ständerwerk getragen.
Bedingt durch den Strukturwandel finden wir in Ostfriesland Umnutzungen einiger Gulfhöfe zu Schulen, Kindergärten, Tischlereien, Supermärkten, Restaurants. Während der Scheunenteil im Schatthaus weiterhin landwirtschaftlich genutzt wird, ist der Kuhstall durch Aus- und Umbau zu Ferienwohnungen Ihr Urlaubsdomizil geworden.
Tiere
Unser Hofhund Bosse.
